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Summer Look Alferano

Gedanken zu Männern und Moden – sechs Sommer-Episoden von Modekenner und Wortakrobat Jeroen van Rooijen.

Mode-Einkäufer sind Herdentiere. Sie rennen im Kollektiv dorthin, wo alle grasen. Denn dort, so vermuten sie, muss das Gras besonders saftig sein. Doch jetzt blöken alle ganz verzweifelt, weil fast nirgends eine schöne Wiese zu finden ist. Es sei mangels Reisen und neuer Impulse schlicht unmöglich, die kommende Saison zu planen, hört man. Die Händler sind auf sich selbst zurückgeworfen. Immerhin, es gibt eine Perspektive: Die Leitmesse Pitti Uomo in Florenz findet Anfang Juli zum ersten Mal seit 18 Monaten wieder als realer Ort der Begegnung statt. Es wird ein grosses Geschnatter geben!

Es geht aber auch anders – mittels Introspektion: In sich hineinhören statt abgucken. Wenn man davon ausgeht, dass Kleidung der Ausdruck gesellschaftlicher Veränderungen ist, kann man sich die nahe Zukunft durchaus vorstellen. Denn solche gesellschaftlichen Veränderungen passieren langsam, laufend und unaufhaltsam. Tsunami-Forscher betrachten auch erst einmal die grossen Bewegungen des Wassers, bevor sich diese an den Rändern des Ozeans zu sichtbaren Wellen auftürmen. Wirklich Neues entsteht in der Mode also nicht, wenn sich ein Modeschöpfer etwas in den Kopf setzt, sondern wenn sich die Lebensumstände der Menschen ändern. Und das haben wir ja nun alle sehr eindrucksvoll erlebt.

Vor allem die Männer sind gefordert. Sie müssen sich gerade wieder einmal neu erfinden. Der neue Mann soll ein anderer als sein Vater und Grossvater sein. Blosse Kraft und ein hohes Mass an Testosteron sind keine Argumente mehr, so liest man dieser Tage überall. Auch ist der Zipfel kein Zepter mehr, das Führungsanspruch verheisst. Die «toxische» Männlichkeit muss abgeschüttelt werden, der neue Mann soll sensibler, weicher und emotional zugänglicher werden. War der Mann früher, frei nach Herbert Grönemeyer, «aussen hart und innen ganz weich», so ist er heute aussen weich und innen recht hart. Er muss «resilient» sein, so das deutsche Zukunftsinstitut, das heisst: widerstandsfähig und belastbar, elastisch und trotzdem bruchfest.

Keine Angst vor diesem Challenge! Das haben wir doch schon einige Male geübt. Es ist keineswegs das erste Mal in den letzten fünfzig Jahren, dass Männlichkeit neu verhandelt wird: Man denke an David Bowie, an die New Romantics, an Conchita Wurst. Und wenn man sich die jüngeren Herren anschaut, dann ist die aktuelle Neudefinition von Männlichkeit – als flexibler Zustand abseits der Stereotypen – auch nichts, was Schmerzen oder Spannungen erzeugt, sondern etwas, das befreiende Qualitäten hat. Der neue Mann weiss sich in neue Kontexte einzufügen. Sich anpassen, ohne sich zu verbiegen. Sich selbst sein und dennoch mit der Zeit gehen. Der neue Mann kann argumentieren statt blaffen, tanzen statt stolpern, schlemmen statt fressen und ist bevorzugt belesen statt besoffen. Ausserdem kann er zuhören, statt nur zu plärren.

Das neue Wesen dieses Mannes zeigt sich in der Silhouette: Sie ist fliessender, frei von Härte, setzt auf Komfort und einen guten Schuss freizeitliches Flair. Das Leben ist hart genug – da braucht die Kleidung nicht auch noch anstrengend zu sein. Der neue Look muss also so bequem sein wie die liebgewonnene Home- und Freizeitkleidung, aber smarter. Das neue Outfit ist so smart wie ein klassischer Anzug, doch es trägt sich wie Freizeitmode. Dank neuer, elastischer Garne, raffinierterer Schnitte und ultra-moderner Verarbeitung ist es heute möglich, den Anzug so bequem zu schneidern, dass man darin Sport treiben könnte. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie in unserem Alferano-Studio vorbei, und wir zeigen es Ihnen.

Nächste Woche: Wie die neue Männlichkeit die Schnitte der maskulinen Garderobe verändert.
Jeroen van Rooijen
Jeroen van Rooijen ist freischaffender Stilkritiker und war 2014 Mitbegründer des Alferano Flagship-Stores.

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