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Gedanken zu Männern und Moden – sechs Sommer-Episoden von Modekenner und Wortakrobat Jeroen van Rooijen.

In der Frage, wie viel Farbe ein Mann «aushalten» muss, kommt man nicht um David Hockney herum, der zeitlebens ein bunter Hund war und auch im Alter von 82 Jahren noch ein wichtiger Wegweiser in ästhetischen Dingen ist. «Ich ziehe es vor, mein Leben in Farbe zu leben», sagt Hockney. Wir sollten es auch versuchen.

Wenn wir aber realistisch sind, so merken wir schnell: Männer und Farben, das ist eine «schwierige Beziehung». Denn nicht viele Herren – ausser etwa unserem treuen Kunden und Stilhelden Alfredo Häberli – haben einen souveränen Umgang mit Tönen, die bunter als Grau sind. Und je älter sie werden, umso grauer werden sie.

Dass Männer Farben misstrauen, war allerdings nicht immer so – bis vor 250 Jahren trugen auch Männer am liebsten Farbe. Je wichtiger sie waren, umso bunter sie sich kleideten. Dieses Prinzip entsprich eigentlich sehr genau den Maximen des Instagram-Zeitalters: Was zählt, ist der «Buzz», die Erregung. Vielleicht sehen wir gerade deshalb eine Renaissance der kräftigen Farben in der Herrenkleidung? Jüngere Männer haben keinen Stress mehr mit Farben, sie mögen sie genauso gerne heftig wie feintonig abgestimmt.

Was auch für alle anderen jetzt sein muss: Ein Farbtupfer ins neutrale Outfit – oder stimmige Schattierungen von Primärfarben. So gibt es mehr als nur Navy – man schaue sich die ganze Palette an, mit Azur und Aquamarin, Kobalt und Indigo, Ultramarin oder Eisblau. Die beliebteste Farbe der Welt sieht auch diesen Sommer gut aus. Viel Zulauf hat das japanische Indigo-Blau – es passt bestens zu Denim, sieht natürlich aus und altert gut. Zu dunklen Blautönen macht sich übrigens ein orange- oder pinkfarbener Akzent gut – oder ein Look in warmem Gelb, denn die Komplementärfarbe hat oft die stärkste Wirkung. Komplementärfarben sind jene, die sich auf dem Farbkreis exakt gegenüberstehen.

Unterwasserwelten – dieser immens grosse Teil der Welt – bietet auch viele neue Inspirationen für Farben und Details. Da geht es zum einen um Motive, die zu entdecken sind wie auch um Farbwelten, die von blassem Blau bis tiefem Grün reichen. Man kann sich die Herren auch in Wein- oder Ziegelrot, Zinnober, Rubin- und Rostrot vorstellen – oder mit Accessoires in Granat- oder Korallenrot. Dazu passt ein Schuss Grün – Khaki und Olive sind Klassiker – doch verträgt eine maskuline Garderobe auch Elemente in Moos-, Pistazien-, Avocado- oder Paul-Veronese-Grün. Letzterer war ein italienischer Maler der Spätrenaissance, dessen besonderes Grün bis heute ein Markenzeichen ist – wie das Blau von Yves Klein. Wir lernen: Farbe kann auch für einen Mann zum Erkennungszeichen werden!

Dann ein Wort zu den Pastellen, auch die sind im Anflug. Ist das nur etwas für süsse Jungs? Alter Zopf. Für jüngere Männer ist «süss» ein Kompliment, das auf der Zunge zergeht. Farben, bei denen Männer früher zusammenzuckten, sehen gerade an sehr maskulinen Männern plötzlich ganz frisch aus. Und da geht es um mehr als um das Polo-Shirt. Geben Sie sich einen Ruck!

Nächste Woche die sechste und letzte Episode unserer Sommerserie mit Ausblicken zur Entwicklung der männlichen Garderobe. Warum wir bald wieder gerne New-Wave-Musik hören werden.
Jeroen van Rooijen
Jeroen van Rooijen ist freischaffender Stilkritiker und war 2014 Mitbegründer des Alferano Flagship-Stores.

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